Martin Drazek kommt als Professor an die Ev. Pop-Akademie

Studium

"Jeder Musiker, der seine Kunst ernsthaft betreibt, ist immer auf der Suche nach Spiritualität"

Der Pianist und Arrangeur Martin Drazek tritt am 1. Mai seine Professur an der Pop-Akademie der Hochschule für Kirchenmusik in Witten an. Hartmut Naumann, Professor und Prorektor der Hochschule für die Pop-Abteilung traf Martin Drazek zu einem Interview per Skype:

Hartmut Naumann:
Wir freuen uns sehr, dass Du am 1. Mai Deine neue Stelle als Professor für Popularmusik an der evangelischen Pop-Akademie in Witten und damit in der Pop-Abteilung der Hochschule für Kirchenmusik Herford-Witten antrittst. Was reizt Dich an dieser Stelle?

Martin Drazek:
Die Stelle ist für mich wie geschaffen – seit ich als Musiker professionell arbeite, hatte meine musikalische Ausrichtung immer mit Popularmusik (Jazz/Pop/Rock) und mit Kirche zu tun. Meine ersten Engagements hatte ich als junger Pianist in Gemeindechören, später war ich mit Gospelchören oft in den USA unterwegs und lernte die Gospelmusik vor Ort kennen. Da habe ich zum ersten Mal gemerkt: Hier arbeiten Musiker auf dem allerhöchsten musikalischen Niveau und verbinden ihre musikalischen Fähigkeiten mit dem Ausdruck ihres Glaubens. Jeder Musiker, der seine Kunst ernsthaft betreibt, ist immer auf der Suche nach Spiritualität; in der Gospelmusik der USA habe ich Weltklassemusiker kennengelernt, deren Spiritualität auf dem christlichen Glauben basiert, das hat mich seit jeher inspiriert und beeinflusst. Das möchte ich auch gerne an meine Studierenden weitergeben und die „Pop“-Kirchenmusik aus dem amateur- und semiprofessionellen Bereich herausheben, in die sie bei uns in Deutschland leider noch zu häufig gesteckt wird.

Hartmut Naumann:
Du bist ja bisher als Pianist und Arrangeur in verschiedenen Gospel-, Pop- und Jazz-Projekten unterwegs. Muss man sich eigentlich aus der Szene verabschieden, wenn man eine Professur an einer Hochschule antritt?

Martin Drazek:
Ich hoffe nicht – in den letzten zweieinhalb Jahren habe ich eine volle Stelle als Popkantor im Bistum Essen inne gehabt, es aber trotzdem geschafft auch parallel viele musikalische Projekte, die mir wichtig sind, fortzuführen. Da meine Professur in Witten einen Beschäftigungsumfang von 75% hat, denke ich, dass mir noch genug Zeit bleiben wird, um mir musikalisch schöne Projekte herauszupicken. Die Musikerszene kenne ich und diese mich gut genug, dass ich keine Angst habe, mich völlig verabschieden zu müssen.

Hartmut Naumann:
Wie siehst Du das Verhältnis von Pop und Klassik in der Hochschulausbildung? Falls beides gleich wichtig ist: Könnte man daraus nicht auch einen gemeinsamen Studiengang machen?

Martin Drazek:
Ich finde es wichtig, dass unsere Wittener Studierenden auch eine solide Grundlage in klassischer Kirchenmusik erwerben, meine Erfahrung in den letzten Jahren als Popkantor hat gezeigt, dass unsere Gemeinden auch gerne z.B. die Orgel im Gottesdienst hören möchten. Gleichzeitig ist die Sehnsucht nach neuer Musik und neuen, modernen Ausdrucksformen des Glaubens sehr groß. Da das popularmusikalische Feld sehr groß, und größtenteils noch nicht mit moderner Kirchenmusik kombiniert ist, müssen wir als Hochschule hier einen ganz deutlichen Fokus in Richtung Popularmusik legen um den Studierenden Möglichkeiten aufzuzeigen, wohin sie sich und die Musik entwickeln können. Beides, also Klassik und Pop gleichzeitig zu einer hohen Qualität zu bringen, halte ich für unrealistisch.

Hartmut Naumann:
Welche Schwerpunkte möchtest Du mit Deiner Professur in Witten setzen, einerseits in der Lehre und andererseits im Hochschulmanagement?

Martin Drazek:
In der Lehre möchte ich einen großen Fokus auf die pianistische Ausbildung legen. Zum einen möchte ich die Grundlagen und verschiedenen Stile, von Blues über Rock, Jazz und Pop vermitteln. Gleichzeitig möchte ich auch moderne Spielweisen im Bandkontext aufzeigen, also das Arbeiten mit Synthesizern, Drumloops, Ableton etc.
Im Hochschulmanagement ist eine der größten Aufgaben, die Dozenten und Studierenden zu koordinieren, worauf ich mich sehr freue. Gleichzeit möchte ich gerne einige Workshops und Projekte anregen, die noch etwas moderner ausgerichtet sind als das bisherige Angebot. Hier kommen mir meine vielen Kontakte aus der professionellen Popmusikszene zugute, im übrigen auch wenn es darum geht, neue Dozenten für die Hochschule zu gewinnen.
Zuletzt denke ich auch, dass wir mit dem neuen Angebot des Masterstudienganges auf einem sehr guten Weg sind auch Quereinsteiger anzusprechen. Viele meiner Profimusikerkollegen haben früher in Gemeindebands gespielt und haben bis heute eine Verbindung zum christlichen Glauben, für einige von Ihnen könnte es interessant sein, solch ein Studium zu belegen und eventuell als Popkantor zu arbeiten.

Hartmut Naumann:
Du beginnst Deine Tätigkeit an der Hochschule mitten in der Corona-Krise. Wie stellst Du Dir Dein erstes Semester unter diesen erschwerten Bedingungen vor?

Martin Drazek:
Hmm…auf das erste Semester bin ich sehr gespannt. Zum einen wird der Unterricht auf einen Online-Unterricht umgestellt werden müssen, hier muss man schauen wie gut diese Art des Unterrichtens funktioniert, unsere ersten Erfahrungen damit sind aber größtenteils positiv. Etwas schwieriger wird es für mich sein, gut in die Hochschulstrukturen zu finden und alle Studierenden und Dozenten kennenzulernen, solange der Unterricht größtenteils nicht vor Ort in Witten stattfindet, sondern online. Ich hoffe deshalb, dass wir im Hochschulbereich möglichst früh wieder zur Normalität wechseln können, wir werden aber auf jeden Fall das Beste aus der Situation machen, ich freue mich sehr darauf!

Hartmut Naumann:
Vielen Dank für das Gespräch. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit. Bis bald!